Hohensasel in Unruhe

Um bezirkliche Bürgerbegehren abzuwenden, haben Stadt und die Initiatoren der Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“ einen Kompromiss ausgehandelt, der die Stadt zwingt, kleine Wohneinheiten für Geflüchtete zu schaffen, um die Integration möglich zu machen. Im ganzen Stadtgebiet, in allen Stadtteilen geraten nun auch kleinere stadteigene Flächen ins Visier des „Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge“. Eine davon befindet sich in Sasel: eine Pferdekoppel, auf der ehemaligen S-Bahn-Trasse gelegen, nahe der Mellingburger Schleuse. „Der ZKF ist in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Wandsbek sowie fördern&wohnen in die Prüfungen eingetreten, ob die Flurstücke 4294, 10056, 10055 sowie 4291 der Gemarkung Sasel für die Unterbringung von Schutzsuchenden geeignet sind. Die Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen“, so Christiane Kuhrt von der ZKF. Da in Sasel bis dato nur die Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge am Petunienweg existiert, könnte die mögliche Unterbringung in Hohensasel Sasels Beitrag zur kleinteiligen Unterbringung sein, doch bisher liegt der Bezirksversammlung Wandsbek noch keine offizielle Mitteilung vor. Sollte der Bezirksversammlung ein positives Ergebnis mitgeteilt werden, werden umgehend die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Dort werden – wie bekannt – die mögliche Größe, Zeitplan sowie Belegung vorgestellt. „Nach ersten groben Schätzungen könnten rund 160 Menschen dort untergebracht werden. Eine belastbare Planung liegt aber noch nicht vor“, so Kuhrt. „Sollte diese Einrichtung (…) realisiert werden, so trifft sie schon jetzt auf einen breiten Unterstützer- und Helferkreis, der sich bereits im letzten Jahr in der ARGE Sasel über eine mögliche Flüchtlingsunterkunft in Sasel Gedanken gemacht hat und sich quasi im Stand-By-Modus befindet, um die Integration der Geflüchteten in unserem Stadtteil zu erleichtern (…)“, so André Schneider, Mitglied der SPD-Bezirksfraktion Wandsbek. Doch nicht nur Unterstützer und Helfer stehen in den Startlöchern – auch ein Teil der Anwohner formiert und positioniert sich gegen die mögliche Flüchtlingsunterbringung – ein erstes Sondierungstreffen hat bereits stattgefunden. Sehr kritisch sehen die Anwohner die mögliche Errichtung u.a., weil sie Kenntnis davon haben, dass auf eben dieser Fläche das Frauen-Außenlager Sasel des KZ Neuengamme gestanden hat. „Wir haben bereits mit der Kulturbehörde Rücksprache gehalten: Die Gedenkstätte Neuengamme wird sich wegen der genauen Lage des ehemaligen KZ-Außenlagers mit uns in Verbindung setzen. Aus historischen Karten kann man aber schon ersehen, dass Teile des ehemaligen Lagers jetzt mit Häusern der Anwohner dort überbaut ist“, so Christiane Kuhrt. Und weiter: „Natürlich kann man sich darüber Gedanken machen, inwieweit man die Vorgeschichte eines solchen Ortes angemessen berücksichtigt. Aber weist nicht gerade der historische Kontext hier einen Zusammenhang aus, dass Menschen, die vor Krieg und Terror zu uns geflohen sind, geholfen werden muss?“ Die Anwohner gehen mit rechtlichem Beistand in weitere Gespräche, um gegebenenfalls einen Verein zu gründen, der mit der Stadt in direkte Verhandlungen treten könnte.

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